Törnbericht: Hochzeitstörn auf Hakasydo

Hochzeitstörn ohne Hindernisse

von Hermann Winkler

… so antworte mit JA

Nach der nächtlichen Anreise aus Wien finde ich meine Mannschaft am Samstag Vormittag etwas müde, aber erwartungsvoll in der schwülen Hitze von Port Göcek. Die Yacht ist eine Bavaria 40C. Niemand kennt Hermann, den „Skipper“, denn es ist mein erster Törn als Schiffsführer. In den Gesichtern glaube ich ein wenig Skepsis zu lesen und nach dem Bordeinkauf und der Schiffsübernahme will man nicht unbedingt meinen gewissenhaften Ausführungen zu Sicherheit und Schiffsbedienung folgen.

Die Schwüle in der Marina macht träge. „Leinen los!“ lese ich in den Gesichtern. Also beschränke ich mich auf das Wesentliche und wir laufen mittags zu den Yassica Inseln aus, wo wir den Anker für unseren ersten Badestop fallen lassen. Erholt und mit türkischen Spezialitäten gestärkt laufen wir dann gegen Abend in die Quellenbucht. Nachdem wir die Yacht gut im Griff haben, lässt bei allen die anfängliche Anspannung nach und wir freuen uns schon auf den nächsten Tag.

Bei Sonnenaufgang stehe ich gemeinsam mit Co-Skipper Alex an Deck – Barbara ist auch schon auf – und wir nehmen die Passage zwischen den Inseln, um dann den Golf von Fethiye Richtung Westen zu verlassen. Da kein Wind aufkommen will treibt der Motor bald alle an Deck und es wird ausgiebig gefrühstückt, während die Hakasydo Kurs auf den Iztuzu Strand nimmt. Irgendwann weht dann endlich eine leichte Brise, die wir nutzen, um Segelbedienung und Manöver zu besprechen und zu handhaben. Mittags gehen wir vor der Insel Delikada vor Anker und erkunden mit dem Dinghi die Mündung des Dalyanflusses und den wunderschönen Iztuzu Strand. Der Wind steht günstig und wir nehmen Kurs auf die wildromantische Ciftlik Bucht, wo wir uns bei Mehmet kulinarisch verwöhnen.

Nach diesem gelungenen Tag ist die Mannschaft begeistert und wir kommen überein, dass es Zeit für den „großen Tag“ ist. Von Ciftlik geht es am Montag via Serce Limani und Bozukale nach Griechenland, wo unsere Mitsegler und Freunde Manfred und Barbara heiraten wollen. Wir werfen unseren Anker am späten Nachmittag ins azurblaue Wasser von Ormos Thessalona.

Mit Kapitänsmütze ausgestattet halte ich die Hochzeitsrede für meine Freunde auf dem blütenbestreuten Deck. Meine Knie zittern vor Aufregung. Nachdem das Brautpaar sich das JA-Wort gegeben hat, entzünden wir weiße Handfackeln und hissen eine „Just Married“-Flagge unter der Backbordsaling. Ein feierlicher Augenblick, der mit Prosecco begossen wird. Die Franzosen vom Katamaran nebenan kommen zum Gratulieren. Alles ist wie geplant gelungen und wird mir als romantischer Höhepunkt dieses Törns für immer im Gedächtnis bleiben.

Zum Abschluss des Tages sichern wir uns den letzten freien Liegeplatz in Symi Stadt und feiern mit Cocktails und Kubanischen Zigarren das neue Glück. Wir nutzen unseren Aufenthalt in Symi zum Ausschlafen und um griechische Spezialitäten zu bunkern, und natürlich unsere leeren Wassertanks zu füllen. Dann geht’s nach Panormitis, wo wir vor dem Kloster anlegen, um eine in Symi heimlich besorgte Hochzeitstorte zu genießen.

Als wir dann nach Yesilova laufen, kommt zum ersten Mal so richtig guter Wind auf. Die Hakasydo läuft am Wind mit mehr als 7 Knoten zurück in die Türkei. Alle möchten ans Ruder. In Yesilova gehen wir dann vor dem Minarett an den Kai und werden frühmorgens vom Muezzin geweckt.

Das Wetter scheint instabiler zu werden – in der Nacht gibt es einen Schauer – aber den türkischen Wetterbericht, den mir der Hafenmeister gibt kann ich kaum deuten. Auf unserer Fahrt nach Ciftlik nutzen wir eine halbe Stunde Sonnenschein für einen ausgiebigen Badestop in Serce Limani, bevor sie wieder hinter den Wolken verschwindet. In der Ferne sehen wir die Stadt Rhodos in der Sonne liegen, während es bei uns graue Wolken aufziehen.

Am nächsten Morgen schiebt uns ablandiger Wind weiter nach Osten. Wider erwarten ist es wieder herrlich sonnig und die Fahrt zum Golf von Fethiye zurück übers offene tiefblaue Meer ist ein unbeschreibliches Erlebnis. Leider schläft der Wind bald wieder ein und wir entschließen uns die Insel Tersane für einen Badestop anzulaufen. Als wir in der Bucht ankommen vertreiben unvermittelt unangenehme Fallböen die Badelust und wir setzen wieder Segel Richtung Fethiye. Dort braut sich jedoch schon ein Gewitter zusammen und wir machen zunächst Süd um auszuweichen.

Wenig später erreicht uns ein Securite-Ruf einer anderen Yacht die „Mann über Bord“ meldet. Wir legen sicherheitshalber die Lifebelts an und fahren unter Motor Richtung Gemiler Ad. Für eineinhalb Stunden regnet es heftig und niemand will nun dem Skipper das Ruder streitig machen. Stattdessen bereitet Skipperfrau Karin inzwischen unter Deck leckere Palatschinken zu. Solchermaßen gestärkt kann uns dann auch die unerwartete Kontrolle der türkischen Küstenwache nicht stören. Die Herren sind sogar so freundlich unsere Landfeste loszumachen und wir können endlich nach Fethiye einlaufen.
Ein Einkaufsbummel in den noch regennassen Straßen u.a. zum Juwelier (Hochzeitsörn!) und ein gepflegtes Essen beschließen den Tag.

An unserem letzten Hochzeitstörn-Tag kommt langsam wieder die Sonne hervor. Wir besichtigen die Stadt Fethiye (Burg/Fischmarkt/Theater…) und nachmittags gibt’s nochmal herrlichen Wind und Sonne auf der Rückfahrt nach Göcek, wo nach insgesamt 255 Seemeilen noch ein Nachhochzeitsmahl mit frischem Fisch wartet.

Anmerkung: Die Hochzeitsfeier auf der Hakasydo war keine „rechtskräftige“ Eheschließung. Das Ja-Wort des Brautpaars wurde 12 Tage später vor dem Standesbeamten in Österreich feierlich im Kreis aller Verwandten und Freunde erneuert und damit auch dem Gesetz nach „rechtskräftig“. Die Eheleute sind inzwischen stolze Eltern eines kleinen Mädchens…