Törnbericht: Sardinien – Türkei mit der SY Friendship

123Der Einladung von Skipper Hans (bereits von der Atlantiküberquerung im März 2010 bekannt) folgend und mit freundlicher Erlaubnis der Eigner reise ich nach Sardinien. Dort wartet die Friendship – ein Lagoon 500 Katamaran Bj. 2007 – gekrant auf dem Werftgelände. Nach der Inspektion des Unterwasserschiffs erfolgt die Wasserung und langwierige Übernahme, bevor es in die nahe Marina geht. Die Ausstattung des Schiffs kann sich sehen lassen und umfaßt neben elektrischen Winschen, Radar, AIS und einem 2. Kartenplotter auf Flybridge auch häuslichen Komfort wie TV, Waschmaschine, Geschirrspüler, Gefrierschrank und Klimaanlage (etc.).

Leider ist einiges der Technik nicht einsatzbereit, da das Schiff in dieser Saison im Charter gut ausgelastet war und das italienische Charterunternehmen nicht alles repariert hat. Dies soll dann am Ziel unserer Reise – dem Stützpunkt von Eckeryachting in Göcek – geschehen.

456Nach Bordeinkauf wird entdeckt, daß Salzwasser in den Saildrive der Steuerbordmaschine eingedrungen ist und es geht nochmal zurück zur Werft auf den Kran. Nach Ablassen des milchigweißen Öls und Reparatur sind wir auslaufbereit: Skipper Hans, Eigner Norbert mit Gattin Birgit, Eigner Martin und ich selbst. Bei gutem Wind nehmen wir mit 9 Knoten Fahrt Kurs auf unser 1. Etappenziel – die Straße von Messina. Nachdem Birgit und ich als erstes Bordessen – Hühnerschnitzel mit Gemüsereis – zubereitet haben, beginnt meine Nachtwache mit Martin. Bei Regen, spritzender Gischt und 27 Knoten Wind segeln wir in meinen Geburtstag. Die Stöße der Wellen, die bald 5 Meter Höhe erreichen, hallen durchs Schiff. An diesem Tag wechseln sich vereinzelte Sonnenstrahlen mit Nieselregen und heftigen Güssen ab. Trotz Ölzeug ist es auf der Flybridge nicht sehr gemütlich. Birgit serviert Hans und mir Tortellini mit Pesto Basilico, der Rest der Mannschaft macht heute Zwiebackdiät. Hans, Martin und ich sind bei den wechselhaften Bedingungen mit Ein- und Ausreffen der Segel beschäftigt. Am Ende meines Geburtstags haben die Wellen 6 Meter Höhe erreicht, doch es wird trocken und der Mond kommt manchmal hervor.

789Am nächsten Morgen segeln wir während unseres Frühstücks bereits zwischen den Äolischen Inseln. An Steuerbord ziehen Salina, Lipari und Vulcano vorüber während an Backbord Stromboli bei jeder Eruption ein regelmäßiges Wölkchen von sich gibt. Mittags kommen Sizilien und der Etna in Sicht. Die Sonne kommt hervor und es wird deutlich wärmer. Eine Schule Delfine leistet uns eine zeitlang Gesellschaft. Als der Wind dreht und genau aus der Straße von Messina weht, geht es unter Maschine weiter während Birgit und ich Fischfilets mit Zitronensauce und Kartoffeln zubereiten. Hans ist beschäftigt bei heftigem Verkehr Ausweichmanöver zu fahren. Es ist aber genug Zeit um nun mit einem Glas Weißwein auf meinen gestrigen Geburtstag anzustoßen, bevor es zwischen den Lichtern von Italien und Sizilien hinaus in die Nacht und ins Ionische Meer geht.

In der Vormittagswache wollen Martin und ich das Grossegel ausreffen als die Reffleine plötzlich blockiert und die elektrische Winsch ausfällt. Die Reffleine ist durchgescheuert und nur noch die Seele läuft über den mastseitigen Block. Nach dem Frühstück entfernen wir den Block, damit wir das Segel voll setzen können. Bei abnehmendem Wind setzen wir nachmittags den Genaker, später dann geht es unter Maschine weiter Richtung Griechenland. Spaghetti Bolognese zur Stärkung, dann geht es in die Nacht, das Meer ist ein silbern glitzernder Spiegel unter dem Mond, kaum noch Wellen. Ein Grosschiff passiert an Backbord und Delfine spielen in der Bugwelle.

101112Der folgende Motortag wird für Wartungsarbeiten genutzt. Die Bordzeit wird um 1 Std.  vorgestellt und kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Pylos am westlichen Peloponnes. Dem gemütlichen Städtchen sind beeindruckende Felsklippen und eine alte Burganlage vorgelagert. Der Hafen wirkt verlassen und es gibt weder Strom noch Wasser (kein Personal, keine Liegegebühr). Diesel bringt uns der Tankwagen auf telefonische Bestellung. Pylos hat verschiedene Cafes, Restaurants und einen netten Hauptplatz mit Bäckerei und Creperie zu bieten. Am nächsten Morgen verläßt uns Martin, der von hier aus über Athen heimreist. Unser Kurs führt uns nun zuerst in südlicher Richtung die Küste entlang und zwischen dem Festland und den vorgelagerten Inseln hindurch. Am mittleren Finger des Peloponnes messen wir warme 23° Wassertemperatur. Wind will keiner aufkommen. Über Italien liegt aber schon ein Tiefdruckgebiet und unser Navtex liefert Sturmwarnungen für diesen Bereich. Abends gibt’s Tortellini mit Champignon-Frischkäse-Sauce. Am letzten Finger des Peloponnes sehen wir erhöhtem Verkehrsaufkommen der Berufsschiffahrt entgegen und passen unseren Kurs auf Kap Maleas an um die Schiffahrtsroute zu vermeiden. Die Nachtwache mit Norbert verläuft dank der vielen Sichtungen (Frachter, Tanker) sehr spannend. Nach Kap Maleas halten wir direkt Richtung Santorin. Eine wunderschöne Vollmondnacht!

131415Heute Mittag laufen wir in den imposanten, vom Meer gefluteten Vulkankrater von Santorin ein. Weiße Häuser sitzen wie schneebedeckte Gipfel an den schroffen Kanten des Kraterrandes. Die für einen Stop vorgesehene Marina Akrotiri entpuppt sich als wenig einladender Fischerhafen und wir fahren weiter an Anafi, Sirna und Tilos vorbei Richtung Rhodos. Mit Schweinemedaillons mit Pfeffersauce und Reis trösten Birgit und ich die Mannschaft etwas über den fehlenden Wind  hinweg. Der Luftdruck sinkt aber schon stetig. Tags darauf halten wir Kurs durch die Straße von Rhodos auf den Hafen Mandraki. Symi und die türkische Küste sind an Backbord zu sehen.
Verstärkter Bewölkungsaufzug und Wind von 3-4 Beaufort – leider nun genau aus Zielrichtung. Die in der Nacht noch gesetzte Genua wird weggerollt. Vor Rhodos ist einiger Verkehr, auch ein Tragflügelboot passiert an Backbord. Bei ungünstigen Seitenwindbedingungen gelingt um 10.00 das Anlegemanöver. Kurz danach setzt heftiger Regen ein. Die Liegegebühr für 2 Tage in Mandraki beträgt € 37. Nach einer warmen Dusche und einem Schläfchen geht es zum Essen in die Stadt und auch Tags darauf gehen wir in den netten Gassen der Altstadt spazieren und Kaffeetrinken. Neben der Friendship hält eine Gruppe Fischer lange Angelruten ins Hafenbecken, abends sogar mit Kopflampe. Für Hans, Norbert und mich gibt es abends einen Drink in der Hafenbar. Nach diesem netten Zwischenstop laufen wir morgens nach Fethiye aus. Während des Frühstücks gibt es einen Regenguss mit weniger als 100 Meter Sichtweite – danach wieder Sonne. Kurz nach Festmachen in Fethiye (ECE Marina Liegegebühr für 1 Nacht € 133) stellt sich Dauerregen ein. Der vorbestellte Agent erledigt das Einklarieren. Pünktlich zum Abendessen in der Stadt gibt es eine Regenpause bevor es dann die ganze Nacht ohrenbetäubend gewittert und kracht. Am darauffolgenden Vormittag scheint wieder die Sonne und es geht sich noch ein kleiner Bummel und ein Abstecher mit Birgit zu den Lykischen Felsengräbern aus. Mittags tanken wir die Friendship mit Diesel voll und laufen nach Göcek wo uns nach 1040 Seemeilen Volkan und Judith vom jetzigen Pitter-Stützpunkt freundlich in Empfang nehmen. Jetzt haben wir uns einen Manöverschluck verdient und zu Abend wird noch der italienische „Merluzzo Atlantico“ an Bord gebraten

161718Für eine Hafenrundfahrt verlassen wir ein letztes Mal unseren Liegeplatz und Norbert und ich üben unter Hans´ Anleitung das Anlegen längsseits und achteraus mit dem Katamaran. Dafür haben wir uns den (jetzt Ende November) verlassenen Fischersteg von Boynuz Bükü ausgesucht. Zurück in Göcek ziehen mich Hans und Norbert noch mit dem Bootsmannstuhl den 25 Meter hohen Mast hoch um das defekte Ankerlicht zu wechseln. Die Glühbirne die ich dabei habe passt zwar nicht, doch für den famosen Ausblick über den Hafen und Göcek hat sich der Aufstieg gelohnt.

 

 

192021Wir verbringen noch 2 schöne warme Tage (24°) in Göcek während derer die Friendship offiziell und gründlich an den Stützpunkt übergeben wird. Norbert und Birgit laden Hans und mich zu einem herrlichen Abschiedsessen bei CAN nahe der Skopea Marina ein. Dann heißt es Abschied nehmen. Hans und ich fliegen noch gemeinsam nach Istanbul bevor sich auch unsere Wege trennen. Wenige Stunden später umfängt uns die weiße Pracht des Winters in Mitteleuropa…

30.November 2010 / hermann.winkler@chello.at