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Törnbericht: im Frühjahr mit „Bommie“ nach Kekova

Hier ein wunderbar geschriebener Bericht von Judith & Lars über ihren Törn mit ihrer Bavaria 36 „Bommie“ zu den Kekova-Inseln … der übrigens auch auf der sehr sehenswerten Schiffshomepage http://bommie.eu zu finden ist.

Vielen Dank für den Bericht, Ihr zwei!

 

Frühjahrstörn

Göcek bis Kekova Adasi und zurück (310 sm) 

 

Frühlingsduft, alles ist grün. Auf den Bergen liegt noch Schnee. In diesem Jahr ist das Wetter zwar deutlich kühler als sonst, aber der Törn ist trotzdem ein Genuss.

 SY BOMMIE in der D-Marin in GöcekS/Y BOMMIE in der D-Marin in Göcek

 

Dienstag 29.4.2014: erster Segeltag; Göcek D-Marin – Fethiye, Yes Marina; 15 sm

Nachdem wir am Vortag unsere von Judith & Volkan (Sail-with-Friends) bestens gewartete Bavaria Cruiser 36, BOMMIE in der D-Marin Marina in Göcek in Empfang genommen haben, stechen wir morgens in See. Ziel ist Fethiye, wo Dienstag immer der große Wochenmarkt ist. Bei wenig Wind haben wir für ein paar Schläge die Segel getestet und sind dann unter Maschine nach Fethiye gefahren. Dort kommen wir in der kleinen schnuckeligen Yes Marina unter, ein T-Steg am Ende der Bucht, wo man gut mit Muringleinen anlegen kann. Es gibt ein hübsches Restaurant und frisch renovierte Duschen und Toiletten. Wir haben uns mit ausgesprochenen Kennern des Orts verabredet, die uns in die Geheimnisse des Markts von Fethiye einweihen. Bevor wir uns ins Getümmel der Stände stürzen, essen wir erst mal zusammen Gözleme und trinken Ayran. Auf den Tischen stehen jeweils große Gläser mit eingelegtem Gemüse aus denen sich jeder nach Lust und Laune bedienen darf. Gut, dass wir das hier gleich lernen. Danach geht es gestärkt auf den Markt. Es gibt die tollsten bekannten und unbekannten Obst- und Gemüsesorten zu absolut günstigen Preisen direkt von den Bauern. Wir kaufen vor lauter Enthusiasmus quasi für eine 10-köpfige Crew ein, obwohl wir nur zu zweit sind. Abends treffen wir uns wieder mit den Freunden. Wir haben den Fischmarkt im Visier, der inmitten von Restaurants liegt. Hier ist es Tradition, dass man sich seinen Fisch am Markt aussucht und dann in einem der Restaurants verspeist. Wir kennen BYO (bring your own) nur aus Australien wo man seinen eigenen Wein ins Restaurant mitbringt und dort ein Korkengeld zahlt. Heute also mal anders. Mit diversen Vorspeisen und leckerem Weißwein essen wir uns kugelrund, sehr lecker. Wir hatten zu sechst so viel Fisch bestellt, dass wir noch eine Restetüte mitnehmen können…

Yes-Marina in Fethyie

Yes-Marina in Fethyie

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 30.4.2014: Fethiye, Yes Marina – Sarsala Koyu; 17 sm
Noch satt vom Vorabend begnügen wir uns mit Tee und Obst zum Frühstück. Vorm Ablegen machen wir noch eine Kulturrunde – zumal völlige Flaute herrscht. Wir marschieren den Berg hinauf zu den lykischen Felsengräbern, wo die Toten aus grauer Vorzeit in luftiger Höhe über die Stadt blicken. Mit einem frischgepressten Orangensaft (portakal suyu) im Bauch geht es zurück zur Marina. Wir checken gegen Mittag aus und freuen uns über die faire Liegegebühr von rund 30 Euro für unsere 36 Fuß. Kaum haben wir die Nase um die Huk hinter Fethiye gesteckt kommt ein kräftiger Wind auf, den kein Wetterbericht voraus gesagt hatte.
Von Süd weht es mit über 35 Konten ums Kap und es steht eine hoher Welle in den Golf. Die Bommie kommt mit Kurs am Wind sehr gut voran und geht auch gut durch die Welle. Schnell passieren wir Kizil Ada, wo es am Leuchtturm ein Seafood-Restaurant mit Anlegesteg für Ausflugsboote gibt. Nur unserem eigentlichem Tagesziel, der Gemiler Reede, die genau südlich gegen den Wind liegt, kommen wir so nicht näher. Kreuzen wäre möglich. Fast schon gegenüber am westlichen Einfahrtskap des Fethiye-Golfs angekommen, entscheiden wir uns kurzerhand, in eine der westlichen Buchten im Golf abzulaufen. Für ein Aufkreuzen ist es einfach schon zu spät.
Unsere Wahl fällt auf die Sarsala-Bucht. In der großen nördlichen Bucht (südlich gibt es noch eine kleine Ausbuchtung mit einem gelobten Restaurant) liegen praktischerweise Muring-Bojen aus. Schnell haben wir an einer der freien Bojen festgemacht. Außer uns liegen dort nur noch zwei weitere Segelyachten. Kaum angekommen, saust um das Kap ein Motorboot auf uns zu. Wir bekommen vom Wirt angeboten, im nahen Sarsala-Restautant zu essen. Er könne uns auch abholen und hinbringen. Für den Abend haben wir jedoch Essen an Bord eingeplant, so lehnen wir dankend ab, nicht ohne zu versprechen, seine Küche beim nächsten Mal zu besuchen. Kurz danach taucht das nächste kleine Motorboot auf. Ein junger Mann will uns Brot (Ekmek) oder Gemüse verkaufen. Da wir auf dem Markt von Fethiye ja Unmengen eingekauft haben, müssen wir auch hier passen. Er wiederum kündigt an, am nächsten Morgen nochmals mit frischem Brot vorbeizukommen.

Türkischer Service Das frisch gebackene Brot kommt per Boot Türkischer Service: Das frisch gebackene Brot kommt per Boot

 

Donnerstag, 1.5.2014: Sarsala Koyu – Kalkan, Yesilköy Limani; 40 sm
Am Morgen kommt tatsächlich das „Brot-Boot“ und bringt zudem leckeren Feigen-Kuchen. Da schlagen wir natürlich zu und freuen uns auch über das ofenfrische Fladenbrot, bestimmt von Muttern. Wir hätten sogar noch Eier und Tomaten kaufen können…
Um 10 Uhr legen wir ab Richtung Süd-Ost. Bis Gemiler-Rede wollen wir in jedem Fall, wenn möglich aber gleich weiter bis Kalkan. Der Südwest-Wind ist uns hold und wir passieren früh das Kap Döbkükbasi, hinter dem die Gemiler-Reede liegt. Also weiter. Ölü Deniz und seine Ferienanlagen ziehen mit dem Fernglas gut sichtbar genauso vorbei, wie die Schmetterlingsbucht und die landschaftlich sehr imposante Küste, hinter der die Berge riesig hoch aufragen.
Das frische Brot verspeisen wir unterwegs zum Mittagessen bis gegen 14:30 Uhr der Wind einschläft. Also werfen wir den Motor an, denn wir müssen durch bis Kalkan. Bis dahin gibt es keinen Ankerplatz. Das letzte Viertel am Strand von Patara entlang können wir dann wieder gemütlich segeln. Wir sichten von weitem Delfine und ganz nahe eine große „Caretta caretta“, die hier lebenden Wasserschildkröten. Jetzt noch um das letzte Kap und wir machen in der Bucht Yesilköy Limani an der Westseite auf 10 Meter Wassertiefe mit Bug-anker und zwei Landleinen fest. 40 Seemeilen sind geschafft. Drei Gulets sind unsere Nachbarn, die sich glücklicherweise alle ruhig verhalten. Auch sonst ist die Bucht landschaftlich nett. Die stark verbauten Hänge von Kalkan gegenüber sind nur in der Ferne sichtbar. Zum Abendessen futtern wir Kartoffel-Karotten-Auflauf mit dem bröseligen Ziegenkäse vom Markt drauf, ein Gedicht!  Abends schläft der Wind zunächst ein. Nacht kommen, so wie im Revierführer angekündigt, starke Fallböen aus Nord. Gut, dass wir zwei Heckleinen gelegt haben.

Nördlich von Kalkan Buch Yesilköy LimaniNördlich von Kalkan: Buch Yesilköy Limani

 

Freitag, 2.05.2014: Kalkan, Yesilköy Limani – Kas, Bayindir Limani; 23 sm
Die Strecke nach Kas ist von der Länge her übersichtlich, so dass wir morgens erstmal gemütlich frühstücken und schwimmenderweise die Landleinen wieder lösen. Bei schönem Südwest von 4 bis 5 Beaufort kreuzen wir im landschaftlich schönen Archipel vor der griechischen Insel Kastellorizo hin und her. Durchs Fernglas äugen wir auf die hübschen Häuschen und den netten Hafen. Seit die Grenzformalitäten zwischen Griechenland und Türkei – EU-Außengrenze – wieder strenger sind, lohnt wegen der ganzen Bürokratie kein (offizieller) Abstecher mehr.
Für den übernächsten Tag ist ein starker Südoststurm (Lodos) angekündigt und wir peilen an, dann in der Kas Marina zu liegen. Da wir keine drei Nächte in der Marina bleiben wollen, legen wir uns für diesen Abend in die südlich von Kas gelegene Bayindir Limani Bucht. Dort kann man im mittleren Teil frei schwojend ankern – angenehm für eine Zweiercrew. Nach vier Versuchen sitzt der Anker endlich gut – wichtig, denn auch für diese Nacht ist schon stärkerer Wind angekündigt. Rod Heikell würde zu diesem Ankergrund wahrscheinlich „poor holding“ sagen. Es gibt abends in altbewährter Segelmanier Pasta und einen Rotwein – so lässt es sich leben.

Bucht Bayindir Limani südlich von KasBucht Bayindir Limani südlich von Kas

 

Samstag, 3.05.2014: Kas, Bayindir Limani – Kas, neue Marina; 7 sm
Wir genießen den Morgen in der schönen Bucht. Beim Blick auf den Wetterbericht ist unser Tagesziel klar: die Kas Marina. Via Navtex meldet Heraklion für unser Seegebiet „Kastellorizo Sea“ Südost-Wind Stärke 5 bis 6, später 7, im Ausblick für die folgenden 12 Stunden eine „Gale Warning“ mit Stärken bis 8 Beaufort. Da liegt man am besten fest vertäut… Wir legen am späten Vormittag ab und fahren noch eine kleine Runde durch den östlichen Teil der Bucht, wo es einen der typischen kleinen Restaurantstege gibt. Dieser bietet Platz für ein paar Yachten, sieht nett aus, aber nicht nach Abwettern von 8 Beaufort… Inzwischen hat es bereits auf die vorhergesagten 5 bis 6 Beaufort aufgebrist und wir lassen uns nur an der Fock in Richtung Marina ziehen.
Die neue Marina ist noch wenig frequentiert, so dass man auch als Gastlieger problemlos einen Platz bekommt. Wir werden – wahrscheinlich, weil wir ein Charterboot sind – an den äußersten Steg gelegt. Wie immer in türkischen Marinas ist der Anlegeservice perfekt, so dass wir schon um 14 Uhr an einer dortigen Muringleine fest vertäut sind. Interessantes System: Die Jungs von der Marina machen die Boote mit eigener Leine und Palstek an deren Muringkette fest. So kann man nicht ohne Hilfe entwischen und die Zeche prellen…

Kas Die neue Marina

Kas: Die neue Marina

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 4.05.2014: Kas, neue Marina; 0 sm
Wir schlafen aus und machen einen faulen Morgen. Der Windmesser registriert Böen bis zu 56 Knoten. An Auslaufen ist also nicht zu denken. Also schauen wir uns das nette Altstädtchen von Kas an und gehen im typischen Restaurant „Natural“ zu Mittag essen. Es gibt eine schöne Auswahl von Meze, gefolgt von der türkischen Pasta „Manti“ – sehr lecker. So hat auch ein Tag mit Landgang etwas Gutes.

Kas historische Haupstaße mit lykischem GrabKas: historische Haupstaße mit lykischem Grab

 

Montag, 5.05.2014; Kas, neue Marina – Kekova, Polermos Bükü; 21 sm
Am Vormittag gehen wir erstmal ausführlich einkaufen, während in der Wäscherei der Marina eine Maschine für uns läuft. Das ist bei einem Türkeiurlaub schon praktisch, dass man überall waschen kann. In der Stadt finden wir eine prima Bäckerei, die nicht nur – wie die kleinen Markets – das von uns zwischenzeitlich als „Schrankbrot“ titulierte wabbelige Weißbrot hat. Hier bekommt man auch Börek und Kekse. Auch ist die Auswahl an Obst- und Gemüsegeschäften in Kas bestens, der Proviant kann also aufgefüllt werden. Gegen Mittag legen wir in der Marina ab, unter Hilfe der beiden netten Jungs, die den Palstek auf der Muringleine wieder lösen. Unser Tagesziel ist die Kekova-Reede, ein geschütztes, landschaftlich traumhaftes Archipel mit langer Historie. Der Segelnachmittag schwankt zwischen Flaute und 2. Reff, so dass wir vollauf beschäftigt sind. Mehrere Gewitter in Sichtweite halten uns auf Trab, aber erwischen uns nicht direkt. Nach 21 Seemeilen fällt unser Anker in der Bucht „Polemos Bükü“ ganz im Westen der Kekova Reede. Die Bucht haben wir uns ausgesucht, weil man dort frei schwojend ankern kann. Der Abend war schon recht frisch und keiner von uns beiden hatte Lust auf ein „Landleinen-Manöver“, das bei unserer Zweier-Crew immer am praktischsten schwimmenderweise ausgeführt wird. Am Strand der Bucht sind zwei einfache Restaurants, aber nach unserem umfangreichen Gemüse-Einkauf in Kas ist heute mal wieder die Bordküche gefragt.

Blick von Alis Restaurant auf die Coldwater Bay Blick vom Aperlai-Restaurant in die Bucht Polemos Bükü (Kekova)

 

 

Dienstag, 6.05.2014: Kekova, Polemos Bükü – Ücagiz; 8 sm
Am Morgen setzen wir bei schönster Sonne (endlich mal sommerliche Temperaturen) zum Buchtufer über und werden gleich von einem der Restaurantbesitzer herbei gewinkt. In gewohnt serviceorientierter Manier leitet uns der freundliche Herr zu einem Treppchen an seinem Steg und nimmt auch gleich die Dinghi-Leine an. Im Visier haben wir allerdings weniger das Restaurant, als einen kleinen Spazierweg (ca. 2 km) in die benachbarte Bucht, wo man Ausgrabungen der Lykier bewundern kann.
Hier ist vom Massentourismus keine Spur, wir sind ganz alleine mit den Toten in den Felsengräbern, die wieder in luftiger Höhe so in der Landschaft rumstehen. Der Weg ist ein Teil des lykischen Fernwanderwegs und es gibt in den Buchten kleine Pensionen als Unterkünfte – sehr hübsch. Auf dem Rückweg trinken wir noch etwas in dem kleinen Restaurant, als Dankeschön für den Anlegeservice.
Nach einem Mittagssnack cruisen wir noch eine Runde durch die Kekova-Reede und schauen uns die Sehenswürdigkeiten aus der Ferne an. Am meisten beeindruckt die Burg in Kale, die über dem ganzen Archipel thront. Jetzt am Nachmittag ist auch reger Ausflugsschiffverkehr. Kleine und große Gulets fahren die Runde über die versunkene Stadt und deren Ruinen, dann zur dortigen Tersane- (deutsch: Werft) Bucht und an Kale vorbei. Wir reihen uns ein, halten wegen unseres Tiefgangs allerdings gebührenden Abstand. Am späten Nachmittag legen wir am Gemeindesteg von Ücagiz an der Innenseite an. Dort ist es nur knappe 2,50 Meter tief und der Tiefenalarm piept kräftig. Wir bekommen eine Muringleine (an der Außenseite wird „römisch-katholisch“ mit Buganker angelegt) und – wie immer – Anlegehilfe. Das ganze kostet uns (ohne Strom und Wasser) 45 TL, ein fairer Preis wie wir finden. Für den Abend melden wir uns bei „Hassan, bester Koch vom Mittelmeer“ zum Essen an. Er ist in Ücagiz eine Institution. Da wir im Jahr 2003 schon einmal da waren, wollen wir in Memoriam nochmal seine leckeren Fische kosten. Ein Zackenbarsch kommt frisch auf den Tisch, davor eine Auswahl von Meze. Was will das Seglerherz mehr?

Ücagiz-Hafen Blick auf Hassans Restaurant Ücagiz-Hafen: Blick auf Hassans Restaurant

 

Mittwoch, 7. Mai 2014: Ücagiz – Ücagiz Bucht; 16 sm
Heute erwarten wir unsere zwei Familien-Tagesgäste, die – um die Touristenhorden auf den Ausflugsbooten zu umschiffen und unser Boot kennenzulernen – mal mit uns segeln wollen. Der Wettergott ist uns hold: leichte Winde und schönste Sonne. Wir cruisen wieder durch die Kekova-Reede und machen einen gemütlichen Mittagsstopp in der Bucht Kisle Bogazi. Hier könnte man mit Landleine auch gut uns gerne die Nacht verbringen. Nachmittags brist es etwas auf und wir kreuzen auf, um die Sehenswürdigkeiten – allen voran die Burg Kale zu besichtigen. Unsere Gäste finden sogar daran Spaß, dass das Boot bisschen Lage schiebt. Am späten Nachtmittag liefern wir die beiden wieder in Ücagiz ab. Um nicht wieder in den wenig tiefen Innenbereich der Mole fahren zu müssen, gehen wir für 10 Minuten an der Außenseite „römisch-katholisch“ (vor Buganker) an Land. Dem Gemeinde-Marinero geben wir Bescheid, dass wir nur kurz bleiben. Wir wollen nämlich doch lieber in eine nahe Bucht fahren. Kurzerhand entscheiden wir uns direkt im Osten von Ücagiz vor Anker zu gehen. Bei für türkische Verhältnisse geringen Wassertiefen von 4 bis 6 Metern und bestem Sandgrund ankert es sich prima.

Aussicht auf den pittoresken Ort Kaleköy mit Burg  Aussicht auf den pittoresken Ort Kaleköy mit Burg

 

Donnerstag, 8. Mai 2014: Ücagiz Bucht – Kas Marina; 28 sm
Wir wollen heute wieder Richtung Kas zurück. Da der Wetterbericht eine Winddrehung auf Südost voraussagt, die meist mit schlechtem Wetter verbunden ist, fahren wir zeitig los. Die vormittägliche Flaute müssen wir mit „Maschinieren“ überbrücken. Dann kommt eine leichte Brise auf mit der wir sogar ein Stündchen den Gennaker setzen können. Als es später weiter aufbrist, muss das große bunte Tuch schnell wieder runter und die Fock darf wieder in den Dienst. So hält man sich auch als Dickschiffsegler (insbesondere mit einer Zweiercrew) sportlich. Um nicht schon wieder zwei Tage in der Kas Marina verbringen zu müssen, steuern wir die südöstliche Bucht Bayindir Limani an, wo wir schon auf dem Hinweg geankert hatten. Es zeigt sich die gleiche Problematik mit sehr schlecht haltendem Ankergrund. Als beim dritten Ankerversuch die Fernbedienung der Ankerwinde ihren Geist aufgibt, ist die zweite sportliche Übung des Tages fällig: manuelles Aufholen von 50 Meter Ankerkette im inzwischen strömenden Regen… Also doch in die Marina, wohin für uns über den Yachtservice Sail-with-Friends gleich für den nächsten Morgen ein Mechaniker bestellt wird. Etwas erschöpft von den Tagesaktionen, kochen wir noch eine Kleinigkeit und fallen zeitig in die Kojen.

Kas Platz vor der Moschee  Kas: Platz vor der Moschee

 

Samstag, 10. Mai 2014: Kas Marina – Kalevezi Koyu/Coldwater Bay; 43 sm
Den Pausetag in Kas hatten wir bei sinnflutartigem Regen für Ankerfernbedienungsreparatur, einen Besuch auf dem schönen Freitagsmarkt von Kas und ein leckeres Abendessen genutzt. Am Samstag stehen wir für unsere Verhältnisse sehr früh auf – um 6 Uhr – weil wir den noch weiterhin wehenden Südost nutzen wollen, um den großen Schlag nach Nordwest zu machen. Leider schüttet es gegen 8 wieder so stark, dass wir beschließen doch noch einen Moment zu warten. Um 10 Uhr legen wir bei nur noch leichtem Regen ab. Die Rechnung geht auf: Der Südost bleibt und brist über Tag bis 23 Knoten auf. So sausen wir bei raumen Winden im Reff, teilweise mit Schmetterling an Kalkan vorbei. Mit durchschnittlich 6 Knoten Fahrt schaffen wir die 43 Seemeilen komplett unter Segeln schneller, als gedacht.
Neben dem als Gemiler Reede bezeichneten Areal steuern wir in die Kalevezi Koyu (auch Coldwater Bay genannt). Die Bucht ist sehr bekannt, weil hier Ali mit seiner thailändischen Frau ein sehr nettes Restaurant führt. Als wir uns nähern, sehen wir eine Flottille mit 9 Booten, die in der Bucht auf engstem Raum festgemacht hat. Wir wollen schon abdrehen, als uns Ali mit seinem Boot heranwinkt und genaue Instruktionen gibt, wo der Anker fallen soll. Er nimmt die Landleine in Empfang und macht sie an einer Boje fest. Und schwups liegen wir in der traumhaften Bucht sauber neben der Flottille eingeparkt, welch toller Service. Das Abendessen findet wegen eines erneuten Schauers unter der Pergola statt. Wir genießen geschmortes Wildschwein und thailändisches Rind mit einer guten Flasche Rotwein – passend zum kühlen und regnerischen Wetter. Das ganze kostet uns 150 TL, ein sehr ehrlicher Preis.

Blick vom Aperlai-Restaurant in die Bucht Polemos Bükü  Blick von Alis Restaurant auf die Coldwater Bay

 

Sonntag, 11. Mai 2014: Kalevezi Koyu/Coldwater Bay – Gemiler-Reede; 9 sm
Morgens scheint die Sonne, als ob nichts gewesen wäre. Ein traumhafter Tag und unser Frühstück kann endlich wieder draußen stattfinden. Wir haben eine Wanderung in die verlassene griechische Stadt „Kayaköy“ auf dem Programm. Von der Coldwater Bay aus kommt man auf einem Pfad 30 Min bergan direkt von hinten an die berühmte Sehenswürdigkeit heran und genießt einen herrlichen Blick über die ganze Ruinen-Stadt. Auf dem Weg laufen wir durch traumhafte Macchia, sehen alle Sorten von hübschen Schmetterlingen und Libellen und sammeln leckere Kräuter für die Bordküche. Ein paar Leute wohnen inzwischen wieder in der verlassenen Stadt, mit einem davon – einem Künstler – kommen wir ins Gespräch. Er zeigt und sein kleines Haus und erklärt einiges zu der Geschichte der Stadt. Wir hören über deren Vielfalt und dass sie damals kosmopolitisch war. Religionen wie Christen, Juden und Muslime lebten friedlich zusammen. Sehr interessant. Beschwingt von dem schönen Landausflug machen wir per Boot noch eine gemütliche Runde durchs Revier und schauen alle Buchten der Umgebung an: Gemiler-Reede vor der gleichnamigen Insel, Karacaören bis hin zum Strand des Butterfly Valley, den wir uns für das nächste Mal bei ruhigem Wetter aufheben. Für den heutigen Abend haben wir die Insel Gemiler im Visier. Es wird ein Übungsmanöver für das Ankern in großen Tiefen mit Landleine. Der Anker fällt bei über 20 Meter Wassertiefe und wird von uns „den Hang hinauf“ gezogen. Für die Landleine nehmen wir aus Bequemlichkeit letztlich doch Hilfe an (auch wenn man uns davon abgeraten hatte: Nepp und Verpflichtung im gegenüberliegenden Strandrestaurant zu essen). Aber es handelt sich um den, der uns morgens schon frisches Brot aus seinem Boot verkauft hat. Natürlich bietet auch er seine Hilfe auch nicht ganz selbstlos an. So kaufen wir ihm eine leckere Melone und Kaffeestückchen für 20 TL ab – inklusive dem Anlegeservice akzeptabel.

Flußartiger Ankerplatz zwischen Gemiler-Insel und Festland  Flußartiger Ankerplatz zwischen Gemiler-Insel und Festland

 

Montag, 12. Mai 2014: Gemiler-Reede – Sarsala, Kücük Koyu; 16 sm
Den ruhigen Vormittag nutzen wir für eine lohnende Besichtigung und Wanderung zu den byzantinischen Ruinen der Gemiler-Insel. Auf dem höchsten Punkt steht das Seezeichen mit einer herrlichen Aussicht über die Ruinen der Insel bis hin zu den gegenüberliegenden hohen Taurusbergen.
Wir motoren ein Stück bis zum Kap, dem Eingang zum Golf von Fethiye. Dort kommt ein schöner Wind auf, der uns vor Gennaker quer durch Golf bringt. Für den Abend haben wir uns wieder die Sarsala-Bucht vorgenommen, diesmal einen anderen Teil, die „Kücük Koyu“ mit dem Restaurant-Steg. Wie inzwischen fast selbstverständlich bekommen wir Anlegehilfe und liegen schnell neben ein paar anderen Seglern quasi direkt vor den Tischen. Wir treffen ein anderes Boot aus der Sail-with-Friends-Flotte und bekommen den Insider-Tipp, hier die Lamm-Kasserole zu probieren. Die mundet uns abends vorzüglich zumal es wieder relativ kühl ist – viel kühler als sonst in dieser Jahreszeit hören wir – und insofern Fleisch- und Rotweinwetter. Wir bezahlen mit 200 TL etwas mehr, als sonst für uns zwei, dafür war der Rotwein hochwertiger. Alles in allem ok.

Restaurant-Steg in der Sarsala-Bucht  Restaurant-Steg in der Sarsala-Bucht (Süd)

 

Dienstag, 13. Mai 2014: Sarsala, Kücük Koyu – Osmanaga Cesmesi; 15 sm
Faul und gemütlich legen wir erst gegen 11 Uhr ab, als sich die erste kleine Brise bemerkbar macht. Wir cruisen kreuz und quer und erkunden den Golf von Fethiye „en détail“. Zum Mittagessen und Badestopp legen wir uns an den Yassica Adalari (Yassica-Inseln) an eine der vielen roten Muring-Bojen. Die gibt es zwischenzeitlich weit häufiger, als noch in den einschlägigen Revierführern erwähnt und sind echt praktisch. Mit einer kleineren Yacht könnte man hier sogar ohne Landleine über Nacht bleiben, sofern auch die Nachbarn frei schwojen. Am Nachmittag frischt der Wind auf 15-20 Knoten aus Südwest auf und wir können hier im Inneren der Bucht prima sausen. Da wir am nächsten Morgen gleich nach Göcek wollen, um wieder Tagesgäste an Bord zu nehmen, bleiben wir gleich in der Nähe. In der Bucht „Osmanaga Cesmesi“ gehen wir auf rund 15m Wassertiefe vor Buganker mit Heckleine. Eine schöne Bucht mit dichtem Wald und einem Quell-Schlauch an der Südseite, ist in den Revierführern nur am Rande erwähnt, ohne Bild oder Skizze. Vielleicht blieben wir deshalb alleine ohne weitere Boote.

Waldbucht Osmanaga Cesmesi  Waldbucht Osmanaga Cesmesi

 

Mittwoch, 14. Mai 2014: Osmanaga Cesmesi – Göcek, D-Marin; 15 sm
Bei Quasi-Flaute, aber schönstem Sonnenschein motoren wir gleich morgens in Richtung D-Marin in Göcek, um unsere Tagesgäste an Bord zu nehmen. Es verspricht ein sonniger und ruhiger Segeltag zu werden. Während einer sich kurz aufbäumenden thermischen Vormittagsbrise segeln wir eine Runde, um dann gleich wieder an einer anderen Boje der Yassica Adalari einen Mittagsstopp einzulegen. Vor dem Essen gehen wir bei fast sommerlichen Temperaturen noch schwimmen. Am Nachmittag brist es auf und wir segeln nochmal alle Kurse. Per Dinghi und Landleine hängen wir einen Fotografen hinters Heck, damit wir endlich mal Bilder von unserer BOMMIE im segelnden Zustand haben. Auch der Gennaker darf nochmal raus.

 

Göcek D-Marin C-Steg von Pitter Yachting  Sail-with-Friends  Göcek D-Marin: C-Steg von Pitter Yachting / Sail-with-Friends

 

Donnerstag, 15. Mai 2014: Göcek, D-Marin – Tersane; 15 sm
Der Wetterbericht hatte den kräftigen Wind schon avisiert, er war also keine Überraschung. Kaum hinter der Deckung der Göcek Adasi heraus fängt es an zu kacheln. Bei Böen über 30 Knoten gehen wir mit dem Großsegel ins 2. Reff. Wer weiß, was Äolus noch so vorhat. Es baut sich im Golf auch eine signifikante Welle auf, die uns gut durchschüttelt. Im Windschatten der Katsancik Adasi machen wir was zum Mittagessen, was dann in Schichten verspeist wird. Kein wirkliches Wetter für den Autopilot, so dass der Rudergänger erstmal fasten muss. Unser Tagesziel ist die gut geschützte Tersane-Bucht, die wir nach ein paar durchaus sportlichen Kreuzschlägen am Nachmittag erreichen. Hier gibt es einen neuen, ins tiefere Wasser verlegten Steg und wir bekommen auch wieder die inzwischen fast zur Gewohnheit gewordene Anlegehilfe. Beim Vorabendprogramm trennen sich die Wege von Skipper und Co-Skipper. Frau schwimmt und Mann wandert. Wir kommen mit unseren deutschen Nachbarn ins Gespräch und verstehen uns auf Anhieb so gut, dass wir auch das Abendessen am gemeinsamen Tisch mit Seglerschnack verbringen. Das Essen, das wir zuvor per Abfrage am Steg bestellt haben, mundet sehr. Fisch und Oktopus sind lecker zubereitet und fürs insgesamt 160 TL für 2 Personen inklusive einer Flasche Weißwein sind wir preiswert dabei.

Windgeschützte Tersane-Bucht mit leckerem Restaurant  Windgeschützte Tersane-Bucht mit leckerem Restaurant

Freitag, 16. Mai 2014: Tersane – Göcek, D-Marin; 22 sm
Leider, leider ist das unser letzter Segeltag. Jetzt, wo wir uns so richtig gut an das Bordleben gewöhnt haben und das Sommer-Wetter dem türkischen Image auch alle Ehre macht. Aber Samstag wartet der Flieger und Montag die Arbeit. C´est la vie… Bei der morgendlichen Flaute motoren wir nach Göcek, um zunächst das Muss-Programm zu absolvieren und dann eventuell nochmal eine Runde zu segeln. So stehen wir um 12 Uhr an der Tankstelle im nordwestlichen Teil der Göcek-Bucht. Dort gibt es nicht nur Diesel, sondern dort es werden für 30 TL auch die Fäkalien abgesaugt. Dieser Akt wir dann auf der sogenannten Blue Card vermerkt und sorgt dafür, dass die nächsten Gäste ihr Transitlog bekommen. Da es de facto so ist, dass man nicht überall absaugen kann, hatten wir während des Törns – sobald wir weit genug von der Küste entfernt waren – den Tank geleert. Somit war der Fäkalientank bei dieser finalen Absaugaktion auch nicht voll, was vom diensthabenden Absauger moniert wurde. Lesson learned fürs nächste Mal: Lieber noch ein paar Liter Wasser reinpumpen, als zu leer beim Absaugen aufkreuzen. Die nachmittägliche Brise nutzen wir für ein paar letzte Schläge, bevor wir uns wehmütig in die Schlange der zurückkommenden Charterboote reihen. Der freundliche Marina-Service kennt uns inzwischen und kümmert sich wie gewohnt um die Bug- und Muringleine. Das abendliche „Kofferpacken“ unterbrechen wir mit einem Besuch beim Kebap-Hospital. Hier futtern wir frisch und flott für günstige 70 TL jeweils ein Kebapgericht und zischen ein Efes. Görüşürüz Türkiye!

Schicker Privatstrand der D-Marin in Göcek  Schicker Privatstrand der D-Marin in Göcek

 

 

 

 

 

 

Ralf Wargener - 28. Juli 2014

Hallo Judith, Hallo Lars,
sehr authentisch, wie Ihr das beschreibt – die schönen Fotos und Beschreibungen machen Lust, den Törn nachzufahren. Mal sehen, wir werden dieses Jahr gleich zweimal zwei Wochen da sein!
LG Ralf

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